Liebe Mitglieder,

heute ist ein besonderer Tag: Der Datenschutztag bzw. Data Privacy Day. Diesen unterstützen wir mit vollem Herzen vom German Chapter of the ACM, und erlauben uns damit, Ihnen einen Nachtrag zum Januar-Newsletter zu schicken.

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Zusätzlich der Hinweis: Unsere Schwestergesellschaft, die Gesellschaft für Informatik, hat eine Vortragsreihe zum Digital Independence Day (jeweils am 1. Sonntag im Monat) initiiert. Bei der ersten Veranstaltung am Freitag hält unser Albert-Endres-Award-Preisträger Prof. Harald Wehnes einen Vortrag, siehe https://gi.de/meldung/did-you-know-die-gi-ist-auch-beim-digital-independence-day-dabei bzw. wenn Sie auf LinkedIn auch auf die Veranstaltung hinweisen/teilen wollen: https://www.linkedin.com/posts/gesellschaft-fuer-informatik_didit-did-dudgemacht-activity-7420435460000284672-KoAi

Also, schauen wir uns die Grundlagen & Herkunft vom Datenschutztag mal genauer an:

Heute, am 28. Januar 2026, begehen wir wieder den Europäischen Datenschutztag (auch international „Data Privacy Day“ genannt). Dieser Aktionstag wurde 2006 vom Europarat initiiert, um an die Unterzeichnung der „Datenschutzkonvention 108“ im Jahr 1981 zu erinnern. Seit 2007 findet er jährlich rund um den 28. Januar statt – außerhalb Europas oft unter dem Namen Privacy Day. Zahlreiche Regierungen, Datenschutzbehörden und Organisationen nutzen diesen Tag, um Kampagnen und Veranstaltungen zum Thema Privatsphäre zu organisieren. Das German Chapter der ACM unterstützt den Datenschutztag aktiv und lädt alle Mitglieder ein, sich an Aktionen zu beteiligen. Datenschutz und digitale Souveränität gehen Hand in Hand: Wer selbstbestimmt mit seinen Daten umgeht, stärkt nicht nur seine eigene Privatsphäre, sondern trägt auch zur Resilienz unserer Gesellschaft gegenüber allgegenwärtiger Datensammelwut bei.

Warum Datenschutz jetzt wichtiger denn je ist

In unserer vernetzten Welt fließen täglich Unmengen personenbezogener Daten: beim Surfen im Internet, in sozialen Medien, beim Online-Einkauf oder in Smart-Home-Geräten. Dabei geraten Nutzer oft in eine Machtasymmetrie: Große Konzerne wie Google, Apple, Facebook oder Amazon verfügen über umfassende Datensammlungen, die unser Verhalten analysieren und steuern. Aus unserer Sicht sind personenbezogene Daten kein beliebig nutzbarer Rohstoff, sondern zweckgebunden zu verarbeiten, abzusichern, verständlich zu erklären und im Zweifel auch wieder zu löschen”. Genau hier setzt der Datenschutztag an: Er soll dazu motivieren, die eigenen Datenflüsse kritisch zu hinterfragen und Datenprojekte nicht blindlings dem „PowerPoint“-Filter zu überlassen.

Auch auf politischer Ebene gewinnt der Schutz persönlicher Daten als Teil der digitalen Souveränität an Bedeutung. Europa hat 2018 mit der umfassenden Modernisierung der Konvention 108+ und der Datenschutz-Grundverordnung weltweite Standards gesetzt. Trotzdem zeigen aktuelle Entwicklungen (z.B. wachsende Cloud-Abhängigkeit, grenzüberschreitende Datenflüsse, KI-Einsatz), wie sehr Datenschutz und Resilienz verbunden sind. 2025 lag der Schwerpunkt auf Löschungspflichten, 2026 rückt verstärkt die Transparenz über Datenverarbeitung in den Fokus. Unternehmen und Behörden stehen unter wachsendem Druck, Datenflüsse lückenlos nachzuvollziehen und Betroffenenrechte zu respektieren – denn Datenschutz ist auch Souveränitätsfrage und Vertrauensbasis in digitalen Prozessen.

Auf EU-Ebene haben der Europäische Datenschutzbeauftragte (EDPS) und der Europarat für den 28. Januar 2026 eine Fachkonferenz in Brüssel unter dem Motto “Reset or refine?” angekündigt. Dabei geht es um die Frage, wie Innovation und neue Technologien Datenschutzstandard verbinden können – ein konkretes Beispiel dafür, wie der Datenschutztag aktuellen Herausforderungen gewidmet ist.

Zusätzlich ist die gesamtpolitische Lage vermutlich dauerhaft massiv verändert: Das westliche Wertesystem zerbricht zunehmend. Die USA als immer vertrauenswürdiger Partner hat sich so weit verändert, dass wir nicht mehr blindlings allem vertrauen können und dürfen, was wir aus den USA hören. Die Aussetzung von digitalen Diensten für die Richter des Internationalen Strafgerichtshofes und die Erpressung der USA, unsere Digitalgesetze (DSA etc.) zu schleifen, muss uns zu denken geben. Wenn wir hier weniger Raum für Erpressung lassen, wenn wir uns Optionen erarbeiten und keine reine Digitalkolonie der USA mehr sind, dann stärkt das unsere Werte, unsere Demokratie, unser Rechtssystem und unsere Selbstständigkeit in der Welt.

Kurzum: Der Datenschutztag ist eine europaweit fest etablierte Tradition, um das Bewusstsein für Privatsphäre und digitale Selbstbestimmung zu stärken. Auch im Alltag lohnt sich ein Innehalten: Wie Experten schreiben, soll der 28. Januar dazu animieren, die Datenströme und Verantwortlichkeiten im eigenen Umfeld ohne Schönfärbung zu betrachten. Damit spielt der Tag bewusst den defensiven Charakter des Datenschutzes aus – als Leitplanke, nicht als Innovationsbremse.

Was kann jede:r tun? Praktische Impulse

Wir alle können etwas für unsere digitale Privatsphäre und Souveränität tun – sowohl persönlich als auch gesellschaftlich. Eine Reihe einfacher Maßnahmen helfen, Datenlecks vorzubeugen und die Kontrolle zu behalten:

  • Einstellungen prüfen und informieren. Nutzen Sie den Datenschutztag, um die Privacy-Einstellungen Ihrer Geräte, Apps und Online-Dienste zu checken. Bei Smartphones und Computern gibt es zahlreiche Optionen zur Beschränkung der Datenerhebung (z.B. Standortzugriff, Berechtigungen, Datenschutzmodi). Selbst große Konzerne empfehlen das: So riet Apple zum Globalen Datenschutztag allen Nutzer:innen, „die Einstellungen Ihrer Geräte zu überprüfen“. Parallel lohnt es sich, sich weiterzubilden. Wissen ist der erste Schritt: Nur wer seine Rechte kennt, kann sie einfordern.
  • Sichere Werkzeuge und Alternativen verwenden. Wo es datenschutzfreundliche Alternativen gibt, sollten Sie sie ausprobieren. Denken Sie z.B. an freie Browser (Firefox, Brave) statt Chromium-Browser, Open-Source-Mailanbieter (z.B. http://mailbox.org , ProtonMail) statt Big Tech-Postfächern oder verschlüsselte Messenger (Signal, Threema) statt zentralisierter Chats. Der von CCC und Save Social initiierte und vielen anderen Organisationen unterstützte Digital Independence Day gibt dafür viele Anregungen und „Wechselrezepte“: Jeden ersten Sonntag im Monat (nächstes Mal am 1. Februar) ruft das Projekt dazu auf, unser digitales Leben Stück für Stück auf demokratie- und datenschutzfreundliche Dienste umzustellen. So ermuntert DI.Day zum Beispiel dazu, den Browser in 10 Minuten von Chrome auf Firefox umzustellen oder Twitter/X durch freie Mastodon-Server zu ersetzen. Schon kleine Schritte wie diese bedeuten einen Gewinn an digitaler Unabhängigkeit, da sie Monopolmacht zurückdrängen und uns unabhängiger vom Einfluß von anderen Wertekreisen machen.
  • Aufklärung und Teilen. Sprechen Sie in Ihrem Umfeld über Datenschutz. Teilen Sie Hinweise und Artikel zum Datenschutztag (z.B. in Social Media oder im Team-Newsletter) und nutzen Sie Hashtags wie #DataPrivacyDay. Selbst einfache Tipps, wie die regelmäßige Kontrolle der App-Berechtigungen oder die Nutzung eines Passwort-Managers, können in Summe viel bewirken. Genauso können Sie Kollegen ansprechen oder Freund:innen motivieren, etwa durch interne Datenschutzhinweise oder einen Wissenstest im Büro. Jede sensibilisierte Person verstärkt das digitale Vertrauen.
  • Aktiv werden in der Community. Engagieren Sie sich über Ihre Arbeit hinaus für Datenschutz! In Deutschland gibt es zahlreiche Initiativen und Verbände, die Informationen, Kampagnen und Veranstaltungen anbieten: So veröffentlicht z.B. die Gesellschaft für Datenschutz und Datensicherheit (GDD) regelmäßig Leitfäden und veranstaltet Webinare zum Datenschutztag. Organisationen wie Digitale Gesellschaft e.V. oder Digitalcourage setzen sich mit Petitionen, offenen Briefen oder öffentlichen Aktionen für Datenschutz und digitale Rechte ein. Wer Zeit hat, kann auch an Vorträgen, Hackathons oder lokalen Meetups zum Thema teilnehmen. Jährliche Höhepunkte sind etwa der Chaos Communication Congress (CCC) oder Barcamps wie „Freedom not Fear“ in Brüssel. Durch Engagement – sei es als Vortragende:r, Helfer:in oder einfach Aktiv-Plattform-Nutzer:in – kann jeder helfen, Datenschutz auf die Agenda zu bringen.

Aktionen und Plattformen zum Mitmachen

Neben individuellen Maßnahmen gibt es verschiedene überregionale Aktionen und Webseiten, die Impulse für mehr Privacy und digitale Souveränität setzen. Hier einige Beispiele (fokussiert auf Europa/Deutschland):

  • EU-Data-Protection-Konferenz (28. Jan, Brüssel): Am Datenschutztag 2026 findet im Brüsseler Charlemagne-Gebäude ein Fachforum des Europarats und des EU-Datenschutzbeauftragten (EDPS) statt. Die Konferenz „Data Protection Day 2026: Reset or refine?“ thematisiert, wie Datenschutzgesetze an neue Technologien angepasst werden können. Mitgliedern kann es lohnend sein, die Online-Übertragung oder die Programmvorschau zu verfolgen und sich über Hintergründe zu informieren. (Details & Anmeldung: http://www.data-protection-day.eu).
  • Data Privacy Week (26.–30. Jan 2026): Diese internationale Kampagne der US-Digi-Schule (NCSA) läuft jedes Jahr Ende Januar. Unter dem Motto „Take control of your data“ stellt die Data Privacy Week Online-Ressourcen und Webinare bereit, um Privatpersonen und Unternehmen bei Datenschutz-Themen zu unterstützen. Auch in Deutschland gibt es oft lokale Events im Rahmen dieser Aktionswoche. Ein Blick auf http://staysafeonline.org verrät anstehende Webinare und Materialien – ein Anlass, um sich inspirieren zu lassen, wie man seine Datenhoheit stärken kann.
  • Digital Independence Day (jeden 1. Sonntag im Monat): Wie oben erwähnt, ist Digital Independence Day (di.day) ein deutschsprachiges Gemeinschaftsprojekt (koordiniert von Save Social/CCC) mit über 30 Partnerorganisationen. Die Website di.day stellt „Wechselrezepte“ für gängige Dienste bereit (z.B. Browser, E‑Mail, Social Media, App Stores, Mobile-OS) und listet Termine für lokale Treffen. Besonders geeignet für IT-Affine: Hier kann man konkrete Tools und freie Plattformen kennenlernen, etwa Nextcloud (statt proprietärer Clouds), freie Messenger oder demokratische Social-Media-Alternativen. Jede kleine Umstellung ist ein Schritt zu mehr digitaler Souveränität.
  • Netzpolitische NGOs und Kampagnen: Organisationen wie Digitalcourage, Digitale Gesellschaft oder European Digital Rights (EDRi) initiieren regelmäßig Aufrufe und Aktionen rund um Datenschutz. So startete beispielsweise Digitalcourage immer wieder Kampagnen wie die BigBrotherAwards (Auszeichnung für Datenkraken) oder Postkartenaktionen an Parlamentarier. Zwar gibt es nicht immer einen konkreten Datenschutztag-Anlass, doch gerade diesen Tag kann man nutzen, um bei deren aktuellen Kampagnen mitzumachen oder die Newsletter zu abonnieren. Diese NGOs bieten auf ihren Websites und Social-Media-Kanälen auch Tipps zur digitalen Selbstverteidigung an.
  • Open-Source-Initiativen für Datensouveränität: Ein Großteil digitaler Souveränität hängt von Technologien ab, die unter unserer Kontrolle stehen. Unterstützen lässt sich das zum Beispiel durch Mitwirkung an Open-Source-Projekten oder „Sovereign Tech“-Initiativen. In Deutschland treiben etwa die Open Source Business Alliance oder EU-Projekte wie Gaia-X den Aufbau einer europäischen Infrastruktur voran. Auf individueller Ebene kann man damit beginnen, Cloud- und Mail-Dienste in Deutschland/Europa zu nutzen (Nextcloud, OwnCloud, OpenStreetMap statt Google Maps usw.) und Open-Source-Software einzusetzen. Viele solcher Angebote sind explizit auf Datenschutz ausgelegt und schonen langfristig die eigene Datensouveränität.
  • Bildungsangebote und Workshops: Am Datenschutztag selbst oder in der darauffolgenden Woche bieten manche Unis, Volkshochschulen oder Datenschutzbehörden Kurse und Workshops an. Beispielsweise gibt es häufig Vorträge zum Thema «Datensouveränität» oder «Privacy und KI». Die Stiftung Datenschutz oder Landesbeauftragte veröffentlichen ebenfalls regelmäßig „Datenschutz-Wochen“ mit Blogbeiträgen und kleinen Schulungseinheiten (z.B. Fragenkataloge, Fallbeispiele). Auch online gibt es mittlerweile interaktive Angebote wie Privacy-Quizze und Browser-Extensions-Checks.

Jedes dieser Angebote ist nur ein Anstoß – wichtig ist, dass Datenschutz im Alltag und im Beruf fortlaufend Beachtung findet. Gerade als IT-Fachleute können und müssen wir Impulsgeber sein: indem wir sichere Standards umsetzen, Kolleg:innen sensibilisieren und datenschutzfreundliche Technologien vorleben.

Zusammenfassung

Datenschutz ist kein Luxusthema, sondern eine Grundvoraussetzung für sichere, freiheitliche Digitalisierung und Demokratie. Der Europäische Datenschutztag erinnert uns daran, dass wir als Einzelne und als Gesellschaft Verantwortung für unsere Daten übernehmen können. Durch einfache Maßnahmen – von der Aktualisierung unserer Privatsphäre-Einstellungen bis hin zum Ausprobieren freier Softwarealternativen – lassen sich schon heute Fortschritte erzielen. Als German Chapter of ACM verstehen wir Datenschutz auch als Teil der digitalen Souveränität: Wir rufen daher alle Mitglieder dazu auf, heute am 28. Januar (und natürlich auch den Rest des Jahres) aktiv zu werden, das Thema in der Community zu besprechen und sich an den oben genannten Aktionen zu beteiligen. Denn nur gemeinsam können wir die Kontrolle über unsere digitalen Lebensbereiche stärken und für eine resilientere digitale Zukunft arbeiten.

Ihr Vorstand

Marc-Oliver Pahl, Gerhard Müller, Axel Kern & Philipp Dahlke


Impressum

German Chapter of the
Association for Computing Machinery e.V.
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Email: gchacm@informatik.org
Web: https://germany.acm.org/

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